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Carlos Ruiz Zafòn

Cover Der Schatten des WindesDer junge Daniel Sempere wird im Barcelona von 1945 von seinem Vater  in den Friedhof der vergessen Bücher geführt. In diesem Labyrinth lagern unzählige Bücher, die vor dem Vergessen oder dem Ausrotten bewahrt werden. Denn in jedem Buch lebt die Seele des Autoren, aber auch seiner Leser weiter und die muss durch schwierige Zeiten gerettet werden.

Daniel darf sich eines dieser Bücher aussuchen, muss dafür aber die Verantwortung übernehmen. Wie magisch zieht ihn das Werk von Julian Carax an, "Der Schatten des Windes". Bei der Lektüre verfällt Daniel dem Buch und beginnt sich nach Informationen zum Autoren und weiteren Werken umzuhören. Aus den anfänglich eher spielerisch betriebenen Nachforschungen wird rasch bitterer Ernst. Denn hinter dem Leben des charismatischen Carax verbirgt sich ein düsteres Geheimnis: Macht, Gier und Bürgerkriegintrigen in einem düsteren Barcelona in einer düsteren Zeit. Zudem verblüffen immer mehr Parallelen aus Daniels Leben mit demjenigen von Carax.

Noch immer sind die Rachenegel aus der unseligen Vergangenheit unterwegs. Schrittweise offenbart sich Daniel Carax Geheimnis, schrittweise spitzt sich aber auch die Situation für Daniel Sempere zu. In der spannenden Auflösung des Rätsels verknüpfen sich die Schicksale zweier Kriegsgenrerationen zum grandiosen Finale.

Besonders die gelungene Übersetzung von Peter Schwaar aus dem Spanischen ergibt ein Lesevergnügen erster Güte, endlich wieder einmal ein schön geschriebenes, witziges, dramatisches, spannendes und dickes Buch, das manche gute Lesenacht in sich birgt.

Peter Maibach (2009)


Eine weitere Besprechung von Teddy Buser

Der Ich-Erzähler in „Der Schatten des Windes“, Daniel Sempere, lebt allein mit seinem Vater, dem Buchhändler, in Barcelona zur Zeit des Franco-Regimes. Eines Tages nimmt ihn sein Vater mit zu einer verborgenen Bibliothek, zum „Friedhof der vergessenen Bücher“. Daniel darf sich ein Buch aussuchen. Er schnappt sich „Der Schatten des Windes“ von Julian Carax und liest es in einem Zug. Die Handlung spielt sich in Barcelona, auch Carax ist ein Barcelonese. Daniel ist fasziniert vom Buch und will unbedingt den Autor kennen lernen. Aber niemand scheint wissen zu wollen, wo dieser sich befindet, was ihm widerfahren ist und ob er überhaupt noch lebt.

Bei seinen Nachforschungen stösst Daniel auf Menschen, die Carax gekannt haben mussten. Aber sie geben sich bedeckt. Je mehr sich Daniel in die Geschichte vertieft, desto mysteröser wird das Ganze. Er entdeckt u.a., dass jemand sämtliche noch vorhandenen Buchexemplare zum Verschwinden bringt. Mit der Zeit werden die Gestalten in Carax Roman für Daniel real. Er stellt fest, dass Carax Ähnliches erlebt haben musste wie er: den Verlust der Mutter, von Freunden, von Geliebten. Es scheint, dass sich vieles aus Carax’ Buch in seinem Leben wiederholt, dass Leser und Autor seltsam miteinander verbunden werden. Furchtbares geschieht im Leben der beiden parallel zu den schrecklichen Begebenheiten des spanischen Bürgerkrieges, der die Menschen leiden lässt. Daniel stellt fest, „... wie das Leben nach und nach zerbröselt, fast ohne dass wir es merken.“ Er entschliesst sich, seine Liebe, sein Glück fest zu halten, damit er nicht dasselbe Schicksal erleidet wie Julian Carax.

„Der Schatten des Windes“  wurde in über 30 Sprachen übersetzt und stand in vielen Ländern zuoberst auf den Bestsellerlisten. Zafón, geboren in Barcelona und dort aufgewachsen, lebte zwischenzeitlich in Los Angeles, kehrte aber 2004 nach Barcelona zurück.

Teddy Buser (2010)


Buchinformationen

Der Schatten des Windes
Carlos Ruiz Zafòn
Taschenbuch, Grossdruck, 855 Seiten
Suhrkamp Grossdruck
ISBN 978-3-518-45902-7