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metzgersSusanna Schwager, Die Frau des Metzgers

Sie habe nach langem Auslandaufenthalt ihren Grossvater wieder entdeckt, schrieb Susanna Schwager im Begleittext zu ihrem Buch „Fleisch und Blut“, in welchem sie ihren Grossvater erzählen liess, wie es „säbi Zyt“ war. Es war ein berührendes und sehr erfolgreiches Buch. In „Die Frau des Metzgers“ erfahren die Leser, wie schwer es die Frauen hatten „säbi Zyt“. Susanna Schwager konnte zwar nicht mehr selber ihre Grossmutter befragen, denn Hildi war seit langem tot, als sie an die Fortsetzung ihrer Familiengeschichte ging. So erzählt sie, was ihr der Grossvater und ihre Tanten – die Schwestern von Hildi – aus jener Zeit zu berichten wussten. Aus der Zeit, die am Verlöschen ist, weil die Generation, die damals jung war, dabei ist, die Welt zu verlassen.

Hildi wurde in eine Familie mit fünfzehn Kindern geboren. Der Vater war ein „Ühreler“ oder „Schräubler“, wie es der Grossvater despektierlich nannte. Ein Uhrmacher, der am Etabli arbeitete, war für ihn keiner, der richtig krampfte. Schliesslich verdiente er auch weniger als er selber, der ein Metzgergeselle war. Das Einkommen reichte kaum, um die vielen hungrigen Mäuler zu stopfen, Kleider für alle zu kaufen, die Miete für das Dreizimmer-Häuschen zu bezahlen. Dazu kamen die Hiobsbotschaften, wenn wieder eine Tochter schwanger wurde und heiraten musste, wie das Hildi. Das brachte Schande über die Familie. Immerhin wäre der Hans Meister keiner gewesen, der sich vor der Verantwortung gedrückt hätte.

Hildi war die aufopfernde, hilfsbereite Frau, die einer wie Meister nötig hatte. Sie half zuerst verdienen in der Fabrik. Später, als Meister eine eigene Metzgerei eröffnen konnte, arbeitete sie bis zum Umfallen mit, besorgte den Haushalt, zog vier Kinder gross und war für den Verkauf in der Metzgerei zuständig. Aber die beiden liebten sich auf ihre Art bis ins Alter und waren sich treu. „Ich wüsste nichts anderes“, sagte Hans Meister, der nicht der Zarteste war im Umgang mit den Menschen. Aber gegen das Hildi hätte er nie ein böses Wort gesagt.

Es ist die Erzählweise der Susanna Schwager, die auch „Die Frau des Metzgers“ die Familiengeschehnisse aus „säbi Zyt“ lebensnah wiedergibt und die Personen greifbar macht. Ein wunderbares Buch.

Teddy Buser (2011)


Buchinformation

Susanna Schwager, Die Frau des Metzgers
233 Seiten, Gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-0340-0869-3