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Kaspar Schnetzler

Buchcover Das GuteKaspar Schnetzler breitet einen gross angelegten  Bilderbogen der Zeit von 1912 bis 2012 aus. Dabei werden die spannenden Ereignisse der letzten hundert Jahre in und um die  Stadt Zürich beleuchtet. Das packende an der Aufbereitung der neueren Stadtgeschichte ist die Sicht aus der Perspektive von zwei Familien, Frauenlob und Gerber. Kaiserbesuch im Baur au Lac, Weltkriege, Globuskrawalle, Drogen, unterschiedlichste religiöse und profane Weltanschauungen zerblättern die ständig wachsenden, sehr unterschiedlichen Familien.

Schnetzler lässt den Leser glaubwürdig am Leben und der Entwicklung der Mitglieder der beiden Familien teilhaben. Bim hineinlesen in das herrlich dicke Buch wird man bald einmal selber zum Familienmitglied. Sozusagen nebenher rollt die Geschichte der Schweiz, aus Zürcher Sicht, noch einmal vorbei. Irgendwo im Text wird jeder in der Chronik aufsetzten können, sei es mit Erinnerungen aus Erzählungen der Grosseltern, etwa vom Aktivdienst, seien es die Tagesschaubilder von den Opernhauskrawallen. Reichtum, Armut, Bescheidenheit oder welscher Charme und die Verlockungen von Übersee - keine Facette fehlt.

Selbst wenn Kaspar Schnetzler eingangs Kempowski mit "Alles erfunden" zitiert erscheinen mir die Familien Frauenlob und Gerber wie alte Bekannte, wie ein ferner Verwandter, der wieder einmal zu Besuch kommt und von früher erzählt.

Ein Lesevergnügen, aufgeteilt in angenehm kurze, schnelle Abschnitte. Als ich nach der  letzten der 626 Seite weiterblättern wollte und das Buch zuklappen musste, dachte ich: was, schon fertig? Lange noch hallen die Szenen im Kopf nach und ich habe die Familiensaga für eine spätere Zweitlektüre beiseite gelegt.

Peter Maibach (2008)


Buchinformationen

Das Gute
Kaspar Schnetzler
626 Seiten
bilgerverlag Zürich
ISBN 978-3-908010-43-2