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coverweltimkopfDer deutsche Philosoph Artur Schopenhauer, 1788 – 1860, wuchs in Danzig als Sohn einer Kaufmannsfamilie auf. Sein Ausbildung, seine ersten beruflichen Schritte waren diejenigen eines jungen Kaufmanns, ganz nach den Wünschen des Vaters. Nach dessen frühem Tod erlangte Schopenhauer mit seinem Erbanteil die finanzielle Freiheit, die ihm ermöglichten, sich seinen Wunsch nach einem intellektuellen, akademischen Leben zu ermöglichen. Die Familie pflegte Kontakte zu Goethe,  der auf Artur aufmerksam wurde.

Christoph Poschenrieder beginnt seinen Roman - einiges ist erfunden, anderes nicht -  „Die Welt im Kopf“ mit der Italienreise Schopenhauers. Sobald sein ersten grosses Werk, „Die Welt als Wille und Vorstellung“ im 1819 beim Verleger Brockenhaus abgeliefert und gedruckt ist, will Schopenhauer eine Italienreise unternehmen.  Doch wie Verleger so sind, der Veröffentlichung verzögert sich, der ungeduldige junge Mann will nicht länger warten und reist nach Venedig. Mit im Gepäck eine Empfehlung Goethes für einen Besuch bei Lord Byron, dem englischen Stardichter der Epoche, der sich in Venedig von Skandalgeschichten in England erholt – mit der verheirateten Gräfin Teresa.

Auch Schopenhauer entdeckt seine Teresa – eine andere, robustere Teresa, eine aus dem Volk, die beim Wurstmacher ebenso mit anpackt wie beim Glasbläser in Murano oder beim Gondelfahren.  Die südländische Schönheit fasziniert Schopenhauer und wirbelt sein scheinbar lückenlos untermauertes Weltbild durcheinander. Anstatt an seine philosophischen Arbeit zu sitzen erlernt er, wie man eine Gondel rudert. Die Vorsprache bei Byron wird hinausgezögert,  findet nicht statt – die Empfehlung Goethes bleibt ungenutzt liegen.

Höhepunkt – wie könnte es anders kommen – ist der Carnevale.  Mitten im wilden Treiben lässt Poschenrieder vermuten, dass Byron und Schopenhauer als maskierte Fremde aufeinander treffen. Die Begegnung ist kurz, denn Schopenhauer und seine neuen Freunde werden von der Polizei beobachtet. Der Philosoph soll auf Grund eines Missverständnisses ausgewiesen werden. Bei einer wilden Verfolgungsjagd – auf Gondeln quer durch die Kanäle der Stadt entkommt Schopenhauer und seine Tersea knapp den Verfolgern.

Doch die gemeinsame Zeit in Venedig läuft ab - Reisende sind nicht aufzuhalten, Tersa bleibt zurück und auch das ungenutzte Empfehlungsschreiben vom verehrten G., das im Canale Grande versinkt.

Peter Maibach (2010)


Buchinformation

Christoph Poschenrieder
Die Welt im Kopf
Diogenes - 340 Seiten
ISBN 978 3 257 86192 1

Arto Paasilinna - Der liebe Gott macht blau

gott_machtEs muss jemand schon die groteske Idee haben, der liebe Gott sei abgespannt und müde und brauche unbedingt eine Auszeit von einem Jahr. Als wäre Gott ein Mensch oder wie ein Mensch. Arto Paasilinna, einer der populärsten Schriftsteller Finnlands hatte sie, diese Idee, und schrieb ein Buch darüber, wie das wäre, wenn...

Wenn also Gott eine Auszeit nimmt, dann muss ja jemand anderes während dieser Zeit seine Aufgaben übernehmen und schauen, dass auf der Welt alles seinen einigermassen richtigen Lauf nimmt. Am ehesten in Frage kämen natürlich der heilige Petrus oder der Erzengel Gabriel. Sie sind die höchsten Beamten im Himmel und helfen Gott bei der Erledigung der Amtsgeschäfte. Aber beide lehnen ab, wollen die Verantwortung nicht übernehmen.

Also geht die Suche weiter. Man sucht unter den Menschen, wer in Frage käme, macht eine richtige Evaluation. Die Wahl trifft auf einen Landsmann des Autors, auf einen Finnen. Pirjeri Ryynänen ist Kranführer und mit sich und seiner Arbeit hoch über allen andern und mit seinem Leben eigentlich zufrieden. Die Versuchung, das Angebot anzunehmen, ist aber gross, denn Pirjeri findet, auf der Welt wäre einiges besser zu regeln. Also setzt ihn Gott als seinen Stellvertreter ein und verschwindet in seine Auszeit.

Pirjeni Ryyänen ist plötzlich Gott. Er ist der höchste im Himmel, der sich in einem ehemaligen Nonnenkloster im hintersten Bulgarien befindet. Von hier aus greift er ins Weltgeschehen ein und trifft seine Entscheidungen. Oh Gott...

Der finnische Autor Arto Paasilinna verschafft dank seinem skurrilen Humor dem Lesenden mit „Der liebe Gott macht blau“ eine kurzweilige, lustige Lektüre.

Teddy Buser (2010)


Der liebe Gott ist der Menschheit und der Welt überdrüssig, zu viele Regeln gilt es zu beachten, damit sie nicht aus den Fugen gerät, zu viele Dinge seiner Schöpfung haben eine unerwünscht Eigendynamik entwickelt. Der liebe Gott fühlt ein Burn-out nahen und beschliesst, eine Auszeit zu nehmen. Doch wer soll ihn während einem ganzen Jahr vertreten?

Der Heilige Petrus und der Erzengel Gabriel drücken sich vor der Verantwortung und suchen lieber eine strammen Christen als Ferienvertretung. Ihre Wahl fällt auf den tatkräftigen Kranführer Pirjeri. Ohne zu Zögern lässt der Finne alles stehen und liegen und übernimmt der den anspruchsvollen Managerjob, zieht nach Transsylvanien, wo der Himmel liegt.

Nach einer kurzen Einarbeitungszeit beginnt der Praktiker, den Himmel zu reorganisieren und die Konflikte der Erde anzugehen. Petrus und Gabriel sind schockiert!

Peter Maibach (2012)

 


 

Buchinformation

Arto Paasilinna, Der liebe Gott macht blau
283 Seiten, Gebundene Ausgabe, CHF 31.50
IBSN 978-3-7857-1621-2
Lübbe Verlag,

 

 

Daniel Silva

Buchcover Der AuftraggeberDaniel Silva, 1960 geboren, arbeitete während Jahren als Auslandskorrespondent für CNN im Nahen Osten, in Ägypten und im Persischen Golf. In dieser Zeit erlebte er die Stimmung in jener Weltregion wie kein Zweiter. Zweifellos prägten die hautnah erfahrenen Zwistigkeiten, Friedensbemühungen, Kriege, Schuldzuweisungen und der immer wieder geschürte Hass seine schriftstellerischen Aktivitäten.

In seinem Roman „Der Auftraggeber“ erzählt er, wie zwei Geheimdienste – der palästinensische und der israelische – einander belauern und bekämpfen. Das Buch beginnt mit einem Bombenattentat in Paris, dem der israelische Botschafter zum Opfer fällt. Die Tat muss gerächt werden. Ari Schamron, der ehemalige Geheimdienstchef Israels, kehrt zurück an seinen Posten. Er holt seinen besten Mann zurück. Gabriel Allon restauriert seit seinem Abschied aus dem Geheimdienst in England Bilder. Er ist verbittert, weil seine Frau und sein Kind bei einem Attentat der Palästinenser ums Leben gekommen waren. Die Tatsache, dass sein Todfeind Tariq der Attentäter in Paris gewesen war, lässt den Hass in ihm wieder aufleben. Es beginnt eine atemberaubende Jagd an verschiedensten Punkten der Erde.

Daniel Silva flicht geschickt sein Wissen über die unüberwindliche Feindschaft zwischen Israel und den Arabern ein. Er beschreibt, weshalb die Juden sich in Israel nicht einengen lassen und weshalb sie auf jede Aggression mit einer weiteren Aggression antworten. Und er erzählt, wie tief der Hass der Araber auf die Juden ist und weshalb sie Israel vom Erdboden verschwinden lassen wollen. Es ist ein Thriller, bei welchem sich historische Tatsachen, fiktive Ereignisse und Intrigen zu einem Mix voller Spannung und Emotionen vermengen. Ein Kapitel Gegenwartsgeschichte wird mitgeliefert. Am Schluss mag sich der Leser fragen, wer denn nun eigentlich der Sieger ist im mörderischen Kampf der beiden besten Fighter im Dienste der verfeindeten Länder.

Teddy Buser (2009)


Buchinformationen

Daniel Silva
Der Auftraggeber
Piper
479 Seiten, Taschenbuch,
IBSN 978-3-492-23887-8

Fabio Volo

Cover Einfach losfahrenDer 35 Jährige Michele schaut zurück auf eine intensive Lebensphase, beschreibt die Zeit, der Selbstfindung, die er nach der Trennung von Francesca durchlebte bis zum Moment als sich die beiden als Paar wieder finden und Eltern werden.

Michele und Federico waren enge Freunde, seit ihrer Kindheit. Als junge, lebensfrohe Männer reden sie vom grossen Abenteuer. Ins Leben hinaus treten, alles hinter sich lassen; Federico wagt den Schritt, geht auf Reisen, verwirklicht die Träume, die er und Michele gemeinsam gesponnen haben. Michele aber bleibt im heimischen Italien, stürzt sich in eine Beziehung mit Francesca. Er erobert ihr Herz, ohne aber sich selber wirklich zu engagieren, stets mit einem Blick auf ein flottes Intermezzo.

Es kommt, wie es kommen muss, die Trennung lässt einen hilflosen, einsamen Michele zurück. In dieser Zeit kehrt Federico auf einen Besuch in seiner alten Heimat zurück. Er schwärmt Michele aus seinem neuen Leben vor, erzählt von Sophie, seiner grossen Liebe, mit der er auf einer der kapverdischen Inseln ein Gästehaus renoviert. Doch das Glück ist von kurzer Dauer.

Federico stirbt bei einem Motorradunfall. Dieser Schock endlich motiviert Michele, aufzubrechen. Er besucht Sophie, kümmert sich um sie und steht ihr nach der Geburt ihres Kindes mit Federico bei. In einem langen Prozess findet er den Weg zurück zu Francesa.

Etwas viel Herz Schmerz ist in dieses Buch gepackt. Doch wer romantische Geschichten liebt und herausfinden will, wie arm dran Männer sein können, wenn ihnen die Liebe über den Kopf wächst, der wird diesen Roman mögen.

Peter Maibach (2009)


Buchinformationen

Einfach losfahren
Fabio Volo
188 Seiten
Diogenes
ISBN 978-3-257-06732-3