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Das Herzenhören

herzenhoerenDas Herzenhören hat mir eine Kollegin empfohlen. "Das musst du unbedingt lesen", meinte sie begeistert. Der Titel sprach mich an, der Umschlag des Buches auch und so begann ich zu lesen. Eigentlich bin ich es mir gewohnt ein Buch gleich durchzulesen - aber bei diesem Buch gelang es mir einfach nicht. Immer wieder spürte ich, dass ich über Sätze im Buch nachstudieren wollte und musste. Ich wollte vom alten Mann mehr wissen. Geduld und Langsamkeit ist für dieses Buch gefragt.

Die junge New Yorker Anwältin Julia Win hat sich noch nie so fremd gefühlt wie in Kalaw, diesem malerischen, in den Bergen Birmas versteckten Dorf. Hierher hatte sie die Suche nach ihrem Vater geführt, der vor vier Jahren plötzlich verschwunden war. Ein vierzig Jahre alter Liebesbrief von ihm, gerichtet an eine Unbekannte, hatte Julia auf diese Spur gebracht. Und nun lauscht sie in dieser magischen Umgebung den Worten eines alten Mannes, der ihr die geheimnisvolle Geschichte ihres Vaters erzählt … Der alte Mann lässt Julia immer wieder am Schicksal ihres Vaters teilhaben  - Es ist eine Liebesgeschichte, die einem berührt und ein Buch, dass ich bestimmt ein zweites Mal lesen werde, um alles zu verstehen, was der Autor Jean-Phlipp Sendker in diesen Buchseiten verpackt hat.

Mit dem Herzenhören ist keine "schreiende Liebesgeschichte" sondern eine stille und aussergewöhnliche Geschichte, die einem zum Nachdenken anregt.

Herzlichen Dank Sylvie für deinen Buchtipp.

Rosmarie Bernasconi, 2010


Buchinformationen

Jean-Philipp Sendker / Das Herzenhören

288 Seiten
Roman Goldmann-Tb. Allgemeine Reihe. 45726.
CHF 14.90

Buchcover Maria, ihm schmeckt's nichtJan und Sara wollen heiraten - Jan ist Deutscher, Sara's Mutter ist Deutsche, ihr Vater Italiener. Ein Eingewanderter, das was früher administrativ steif und durchaus abschätzig als Gastarbeiter bezeichnet wurde. Mit der Heirat in eine italieneische Familie taucht der Erzähler Jan in eine ihm fremde Kultur ein, hin und her gerissen zwischen deutscher Gründlichkeit und lebensfroher Italianita. In dem ersten Teil überwiegen denn auch die komischen Situationen, in die der Jan gerät: üppiges Essen, das abzulehenen er sich aus Höflichkeit nicht getraut, sprachliche Verirrungen und eine unüberschaubare Familie. Sara steckt's mit einem Schulterzucken und einem Lächeln weg.

Mit der Zeit fassen Jan und sein Schwiegervater Antonio Vertrauen in einander. Jan ist aus Sicht des quirligen und redefreudigen Antonios "kein dummer Salat", ein Kompliment. Auf einer Reise nach Italien erzählt der lebenslustige Antonio dem Schwiegersohn seine Lebensgeschichte. Und spätestens hier ist fertig mit dem oft belächelten Mister Lustig: die kinderreiche Familie Marzipane, zugewandert aus Süditalien lebt als Aussenseiter unter ärmlichen Verhältnissen. Hartnäckig arbeitet sich der charmante Antonio hoch, investiert in technische Ausbildungen und Englisch, Amerika scheint das gelobte Land. Trotz aller Schlitzohrigkeit kommt Antonio nicht weiter als Deutschland, wo er sich ins Heer der Fremdarbeiter einreiht. Arroganz und Überheblichkeit schlägt dem jungen Italiener entgegegen und Neid und Missgunst. Antonio flüchtet in eine aufgesetzte Fröhlichkeit, lässt alle Anfeindungen abprallen. Zuhause in Italien wird er ebenso zum Fremden wie in Deutschland. Trotz allen Übervorteilungen und Rückschlägen kämpft sich Antonio und seine Familie im Norden Stufe um Stufe nach oben.

Jan's Einstellung zu Antonio Marzipane wandelt sich, dem schrulligen Italiener gegenüber ensteht Respekt für dessen kompromisslose Lebenskraft.

Fortsetzung: Antonio im Wunderland

Peter Maibach (2010)

Buchinformation

Jan Weiler
Maria, ihm schmeckt's nicht
Taschenbuch, 276 Seiten
Ullstein
ISBN 978-3-548-26985-6

Buchcover Twisted River"Letzte Nacht in Twisted River" zeichnet  die Lebensgeschichte von Vater, Sohn und Enkel Baciagalupo über fünfzig Jahre hin auf. Die Geschichte beginnt 1954 in einem Holzfällercamp in den Wäldern von New Hampshire. Dominic, Witwer und leidenschaftlicher Koch im Camp,  lebt mit seinem Sohn Danny ein überschaubares Leben bis ein tragischer Zwischenfall die Routine durchbricht. Die Geliebte des Kochs, die zugleich die Freundin des Sheriffs ist, wird vom jungen Danny erschlagen. Vater und Sohn fliehen hastig aus der Ortschaft Twisted River.

Einmal sesshaft geworden müssen sie den Wohnort und die Identität mehrmals ändern, um dem rachsüchtigen Sheriff zu entkommen. Dieses unstete Leben und eine gescheiterte Ehe setzen dem Erwachsen Danny zu und als er seinen einzigen Sohn Joe verliert, begreift er, dass Beziehungen zu Menschen ein Ende gesetzt ist, wie sehr man sie auch lieben mag.

Unter einem falschen Namen ziehen die Baciagalupos nach Kanada und bauen erneut eine Existenz auf. Danny ist inzwischen ein berühmter Schriftsteller geworden. Doch der Sheriff spürt  Vater und Sohn in Toronto auf und es gelingt ihm, Dominic und Danny zu stellen. Das letzte Kapitel führt  Danny zurück an den Twisted River.

Diese streckenweise biografisch anmutende Lebensgeschichte ist fein verästelt mit unzähligen Nebengeschichten verwoben, die den Lesenden mit einbeziehen und teilhaben lassen an einer verrückt normalen Irving Erzählung, meisterhaft fabuliert.  Dabei lässt sich Irving augenzwinkernd beim Schreiben über die Schulter schauen, lässt den Leser aber im Ungewissen, wo die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verlaufen.

Wer gerne Irving liest wird zahlreiche subtile Anspielungen an frühere  Werke finden: Bären kommen drin vor und furzende Hunde, eine Abtreibungsklinik, eine verlorene Hand, Tätowierungen, unvernünftige Autofahrer, ängstliche Eltern und Kinder, die keine Gefahren sehen. Neu hingegen sind zahlreiche Hinweise auf spezielle Kochrezepte . Wer es fertigbringt, das Buch aus der Hand zu legen, kann sich durchaus auch am Kochherd mit Dominic Baciagalupos Kochkünsten amüsieren.

Ganz zum Schluss erlaubt  sich der Autor eine neckische Spielerei: Der Roman schliesst mit einem letzten Satz, der dem Titel entspricht.

Peter Maibach (2010)

Buchinformation

John Irving
Letzte Nacht in Twisted River
Diogenes
732 Seiten
ISBN: 978-3-257-06747-7


coverweltimkopfDer deutsche Philosoph Artur Schopenhauer, 1788 – 1860, wuchs in Danzig als Sohn einer Kaufmannsfamilie auf. Sein Ausbildung, seine ersten beruflichen Schritte waren diejenigen eines jungen Kaufmanns, ganz nach den Wünschen des Vaters. Nach dessen frühem Tod erlangte Schopenhauer mit seinem Erbanteil die finanzielle Freiheit, die ihm ermöglichten, sich seinen Wunsch nach einem intellektuellen, akademischen Leben zu ermöglichen. Die Familie pflegte Kontakte zu Goethe,  der auf Artur aufmerksam wurde.

Christoph Poschenrieder beginnt seinen Roman - einiges ist erfunden, anderes nicht -  „Die Welt im Kopf“ mit der Italienreise Schopenhauers. Sobald sein ersten grosses Werk, „Die Welt als Wille und Vorstellung“ im 1819 beim Verleger Brockenhaus abgeliefert und gedruckt ist, will Schopenhauer eine Italienreise unternehmen.  Doch wie Verleger so sind, der Veröffentlichung verzögert sich, der ungeduldige junge Mann will nicht länger warten und reist nach Venedig. Mit im Gepäck eine Empfehlung Goethes für einen Besuch bei Lord Byron, dem englischen Stardichter der Epoche, der sich in Venedig von Skandalgeschichten in England erholt – mit der verheirateten Gräfin Teresa.

Auch Schopenhauer entdeckt seine Teresa – eine andere, robustere Teresa, eine aus dem Volk, die beim Wurstmacher ebenso mit anpackt wie beim Glasbläser in Murano oder beim Gondelfahren.  Die südländische Schönheit fasziniert Schopenhauer und wirbelt sein scheinbar lückenlos untermauertes Weltbild durcheinander. Anstatt an seine philosophischen Arbeit zu sitzen erlernt er, wie man eine Gondel rudert. Die Vorsprache bei Byron wird hinausgezögert,  findet nicht statt – die Empfehlung Goethes bleibt ungenutzt liegen.

Höhepunkt – wie könnte es anders kommen – ist der Carnevale.  Mitten im wilden Treiben lässt Poschenrieder vermuten, dass Byron und Schopenhauer als maskierte Fremde aufeinander treffen. Die Begegnung ist kurz, denn Schopenhauer und seine neuen Freunde werden von der Polizei beobachtet. Der Philosoph soll auf Grund eines Missverständnisses ausgewiesen werden. Bei einer wilden Verfolgungsjagd – auf Gondeln quer durch die Kanäle der Stadt entkommt Schopenhauer und seine Tersea knapp den Verfolgern.

Doch die gemeinsame Zeit in Venedig läuft ab - Reisende sind nicht aufzuhalten, Tersa bleibt zurück und auch das ungenutzte Empfehlungsschreiben vom verehrten G., das im Canale Grande versinkt.

Peter Maibach (2010)


Buchinformation

Christoph Poschenrieder
Die Welt im Kopf
Diogenes - 340 Seiten
ISBN 978 3 257 86192 1