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Elke Heidenreich und Bernd Schroeder

Cover Alte LiebeWie ist das, wenn man vierzig Jahre verheiratet ist? Liebt man sich noch oder geht man einander fürchterlich auf die Nerven? Ist man nicht mehr fähig, aus dem miefigen Alltagstrott auszubrechen oder ist es möglich, sich einen Ruck zu geben und verloren geglaubte Zuneigungen wieder zu finden und zu leben?

In „Alte Liebe“ erfahren wir Antworten zu diesen und zu vielen anderen Fragen. Harry und Lore, ein Leben lang verheiratet, beide Mitte sechzig, also der rebellischen 68er Generation angehörend, Eltern einer nicht wunschgemäss geratenen Tochter, äussern sich ironisch, selbstkritisch, wütend zu ihrem Leben. Harry, seit kurzem Rentner, zufrieden mit seinem Leben, verbringt seine Tage am liebsten im Garten mit seinen Blumen. Lore arbeitet noch als Bibliothekarin, veranstaltet kulturelle Lesungen, zu denen Harry nicht kommen will, hält sich für unentbehrlich, erwartet mehr vom Leben, als sie hat, weiss aber nicht was.

Als Gloria, ihre gemeinsame Tochter, eine dritte Ehe eingehen will, diesmal mit einem steinreichen älteren Mann, gibt es heftige Diskussionen. Die beiden sind sich nicht einig, ob sie zur Hochzeit fahren sollen oder nicht. An eine Hochzeit, welche die reiche Familie, in welche Gloria hinein heiratet, als Show inszeniert. In diese Welt, finden Lore und Harry, passen sie mit ihren nach 68er Ideen ausgerichteten Lebenshaltungen überhaupt nicht. Schliesslich fahren sie doch, immerhin ist es ihre Tochter, die heiratet, und sie finden auf der Reise dahin und zurück wieder näher zusammen.

Heidenreich/Schroeder lassen Lore und Harry abwechslungsweise in Monologen zu Worte kommen, die in Dialoge münden. Es ist eine reizvolle literarische Form, beide Ehepartner gleichermassen über grundlegende Fragen ihres Lebens zu Wort kommen zu lassen. Es kommt zu hinreissenden Szenen, die eine ganze Generation hautnah an ihre eigene Geschichte erinnert.

Teddy Buser (2009)


Buchinformationen

Alte Liebe
Elke Heidenreich und Bernd Schroeder
431 Seiten, Taschenbuch
Verlag: Hanser
ISBN 978-3-466-23393-5

Jeanette Walls

Cover Schloss aus Glas"Ich nestelte an meiner Perlenkette und fragte mich, ob ich nicht doch zu elegant für die Party angezogen war, als ich aus dem Taxifenster schaute und Mom sah, die gerade einen Mülleimer durchwühlte." Ein starker erster Satz und gleich darauf die Rückblende:

Die kleine Jeanette und ihre beiden Geschwister Lori und Brian wachsen in bescheidenen Verhältnissen im Süden der USA auf. Meistens bleibt der Kühlschrank leer, der Vater findet nur selten Arbeit, die Mutter bleibt eine erfolglose Künstlerin. Oft müssen die Walls bei Nacht und Nebel vor Gläubigern fliehen, um ihr Glück an einem neuen Ort zu suchen. Die Kinder schlafen in Pappkartons und werden immer einfallsreicher auf der Suche nach Essbarem. Doch das Leben ist ein Abenteuer, der Mutter gelingt es stets, dem Zigeunerleben positive Seiten abzugewinnen. An Weihnachten erhalten die Kinder vom Vater Sterne vom Nachthimmel geschenkt und er verspricht, für alle ein Schloss aus Glas zu bauen, in dem sie sorgenfrei leben würden. Doch immer hastiger werden die Ortswechsel. Die Kinder werden älter, stellen kritische Fragen. Die Trunksucht des Vaters wird  offenbar und die Familie droht auseinander zu brechen. Da scheint ein Umzug zu den Grosseltern in den kalten Norden die Rettung zu sein, doch prompt schlittern die Walls in die nächste Katastrophe. Sobald wie nur möglich fliehen die Jungen nach New York und bauen sich ein neues, solides Leben auf, machen Karriere. Vater und Mutter ziehen nach und leben als Stadtstreicher in der Metropole.

Berührend an dem Buch ist, dass es sich um die Lebensgeschichte der Autorin handelt, der es aus eigener Kraft gelang, aus der Armut auszubrechen und ein eigenes Leben zu leben. Ein Buch, sachlich geschrieben und ohne sentimental abzurutschen, mich hat die Lebensgeschichte begeistert.

Peter Maibach (2009)

Mein Tipp: s. dazu auch Jeannette Walls - Ein ungezähmtes Leben


Buchinformationen

Schloss aus Glas
Jeanette Walls
383 Seiten, Taschenbuch
Diana Verlag
ISBN 978 - 3-453-35135-6

Fabio Volo

Cover Einfach losfahrenDer 35 Jährige Michele schaut zurück auf eine intensive Lebensphase, beschreibt die Zeit, der Selbstfindung, die er nach der Trennung von Francesca durchlebte bis zum Moment als sich die beiden als Paar wieder finden und Eltern werden.

Michele und Federico waren enge Freunde, seit ihrer Kindheit. Als junge, lebensfrohe Männer reden sie vom grossen Abenteuer. Ins Leben hinaus treten, alles hinter sich lassen; Federico wagt den Schritt, geht auf Reisen, verwirklicht die Träume, die er und Michele gemeinsam gesponnen haben. Michele aber bleibt im heimischen Italien, stürzt sich in eine Beziehung mit Francesca. Er erobert ihr Herz, ohne aber sich selber wirklich zu engagieren, stets mit einem Blick auf ein flottes Intermezzo.

Es kommt, wie es kommen muss, die Trennung lässt einen hilflosen, einsamen Michele zurück. In dieser Zeit kehrt Federico auf einen Besuch in seiner alten Heimat zurück. Er schwärmt Michele aus seinem neuen Leben vor, erzählt von Sophie, seiner grossen Liebe, mit der er auf einer der kapverdischen Inseln ein Gästehaus renoviert. Doch das Glück ist von kurzer Dauer.

Federico stirbt bei einem Motorradunfall. Dieser Schock endlich motiviert Michele, aufzubrechen. Er besucht Sophie, kümmert sich um sie und steht ihr nach der Geburt ihres Kindes mit Federico bei. In einem langen Prozess findet er den Weg zurück zu Francesa.

Etwas viel Herz Schmerz ist in dieses Buch gepackt. Doch wer romantische Geschichten liebt und herausfinden will, wie arm dran Männer sein können, wenn ihnen die Liebe über den Kopf wächst, der wird diesen Roman mögen.

Peter Maibach (2009)


Buchinformationen

Einfach losfahren
Fabio Volo
188 Seiten
Diogenes
ISBN 978-3-257-06732-3

Antony McCarten

Cover Das Recht auf RückkehrIsrael 2024. Der Staat ist geschrumpft und von einer hohen Schutzmauer umschlossen. Die Bevölkerung ist überaltert, wer kann wandert aus, zum Beispiel nach Polen, der führenden Fussballnation. Anders hingegen die Bevölkerung der umliegenden Staaten, die immer mehr wächst und stets jünger wird. Nur mit ausgeklügelten elektronischen Hilfsmitteln gelingt es Israel, einen brüchigen Frieden aufrecht zu halten und Infiltration durch unerwünschte Besucher zu vermeiden. So der gewagte Wurf des holländischen Autoren Leon de Winter. In der ungemütlichen Atmosphäre in dem selbst errichteten Ghetto betreiben Bram - Abraham und Ikki eine Agentur, die verschollene Kinder aufspürt. Kinderhandel, Mord, Erpressung die beiden hartgesottenen Veteranen haben alles gesehen. Doch dann stossen sie auf eine unheimliche Entdeckung, als es einem Sprengstoffattentäter trotz raffinierter DNA - Analyse gelingt, die hermetisch dichte Grenze zu passieren.

Mit einem Schlag wird Bram an seine Vergangenheit erinnert, als er zwanzig Jahre früher in den USA lebte und unter tragischen Umständen seinen Sohn Bennie verlor. Schritt um Schritt führt uns Leon de Winter durch das Leben und Leiden von Professor Bram Mannheim, durch die Jugendzeit beim strengen Vater, die Studienjahre in Amsterdam, die Universitätskarriere in den USA, Eheglück und ein verrückte Haussanierung und dann durch das grosse Scheitern und die Verzweiflung.

Spannend wie ein Krimi, ergreifend wie eine Familiensaga und kühn wie Science Fiction, ein Buch das man - atemlos - kaum aus der Hand legen kann.

Peter Maibach (2009)


Buchinformationen

Das Recht auf Rückkehr
Leon de Winter
550 Seiten
Diogenes
ISBN 978 3 257 86190 7