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Bernhard Schlink

coverwochenendeDer ehemalige Terrorist Jörg wird begnadigt und vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Seine Schwester arrangiert ein Wochenende mit den alten Freunde aus der Zeit des RAF-Kampfes gegen Staat uns Establishment. Eine gemischte Runde kommt im abgelegenen, etwas vergammelten Haus zusammen. Dreissig Jahre sind vergangen, seit man jung und heiss war. Die meisten der Freunde haben sich arrangiert mit der Politik, dem Staat, dem damaligen Feind. Sie haben geheiratet, Karriere gemacht oder Jobs in Nischen gefunden, in denen sich gut überleben liess.

Anders Marko, er möchte am liebsten den Kampf wieder aufnehmen und nötigt Jörg eine Presserklärung ab, die im Widerspruch zu seinem Gandengesuch steht.

Überhaupt, was ist aus dem Kämpfer Jörg geworden? Er wirkt stark angeschlagen. War damals wirklich Krieg gewesen? Oder war er einfach zum Mörder geworden, wie ihm sein Sohn vorhält? Die Freunde sind immer noch bereit, zusammenzuhalten, doch die damalige wirre Zeit, die sie zusammenbrachte liegt weit zurück und ist längst Vergangenheit.

Noch einmal setzt Jörg zu einer grossen Ansprache an, bevor sich am Sonntag die Wege wieder trennen. Doch heute redet niemand mehr so, sind sich die Freunde einig. Die Führerfigur Jörg ist den einen zu wild, den andern zu zahm.

Wie in einem Kammerspiel bewegen sich die Figuren in einem eng begrenzten Raum, prallen immer wieder aufeinander. Entsprechend überzeichnet sind einzelne Rollen. Angenehm empfand ich, die wertfreien Bezüge auf die Zeit der RAF in Deutschland und deren Spätfolgen. Die Lebensfäden der Wochenendgäste werden ruhig gesponnen und enden in einem gemeinsamen Frühstück am Sonntag, wie es alltäglicher nicht sein könnte.

Peter Maibach (2008)


Buchinformationen

Das Wochenende
Bernhard Schlink
Diogenes
Taschenbuch, 225 Seiten
ISBN 978-3-257-86166-2

Alan Lightman

Buchcover Und immer wieder die ZeitBern im 1905. Albert Einstein sitzt zu früher Stunde in seinem Büro im Patentamt, lange bevor seine Kolleginnen und Kollegen eintreffen. Er geniesst die ruhige Stunde und hängt seinen Tagträumereien nach.
Sie drehen sich um Zeit, um die kühne Theorie, die er gerade entwickelt hat und um die Stadt Bern, in der in der Junkerngasse wohnt.

Wer jetzt aber trockene und schwer verdauliche Theorie erwartet, hat sich auf angenehmste Weise getäuscht. Der Astrophysiker Alan Lightman nimmt uns bei der Hand und führt den Leser durch dreissig skurrile, witzige Geschichten, in denen die Zeit die Hauptrolle spielt.

Was für eine sonderbare Zeit! In der einen Geschichte bleibt sie stehen. Vögel hängen wie an Fäden aufgehängt über der Aare. Oder sie springt ruckartig weiter mit Unterbrüchen. In diesen minimalen Zeitlücken ändert sich ein Gesichtsausdruck, eine Geste schier unmerklich. Dies genügt aber, um Liebe zerbrechen zu lassen.

In einer anderen Kurzgeschichte beginnt die Zeit und die damit verbundenen Erinnerungen täglich neu. Die Menschen schreiben dicke Tagebücher gegen das vergessen. Oder sie lassen es bleiben und leben den Tag, wie er sich ergibt.
Dreissig mal kurzweilige Unterhaltung mit verspielten Themen, die lange im Kopf nachhallen.

Der Roman hat den Hamburger Künstler Harald Haack zu feinfühligen, Bernbezogenen Bildern inspiriert, die Galerie "Eine Anderswelt unter der Schädeldecke"  befindet sich hier: www.matte.ch

Peter Maibach (2008)


Buchinformationen

Und immer wieder die Zeit
Alan Lightman
Knaur Taschebuchverlag
Kartoniert, 205 Seiten
ISBN 978-3-426-619735

Alexandra Potter

Buchcover WunschzettelHeather Hamilton wünscht sich andauernd Unmögliches: Schokoladeneis ohne Kalorien, einen Platz in der U-Bahn, einen Sechser im Lotto und den perfekten Mann. Leider erfüllen sich diese Wünsche nie, bis ihr eines Tages eine Zigeunerin einen kleinen Strauss Weidenkraut schenkt, der ihr Glück bringen soll. Und plötzlich findet sie nicht nur einen Parkplatz direkt vor dem Haus, sondern hat auch noch ein Date mit ihrem Traummann. Heathers Glück müsste perfekt sein - wenn da nicht ihr neuer Untermieter wäre ...

Dieses Buch ist zum brüllen witzig geschrieben. Der Heather passieren die unmöglichsten Sachen, die uns genauso passieren könnten oder schon mal passiert sind ;o) Es wurde geradezu bildlich beschrieben...
Ein perfekter Roman zum abschalten und schmunzeln!

Sonja (2008)


Buchinformationen

Der Wunschzettel
Alexandra Potter
445 Seiten
Goldmann 2007
ISBN 9783442464364

John Irving

Cover Bis ich dich findeHier ist er wieder - John Irving mit einem grossartigen Panorama zum Leben des Romanhelden Jack Burns.

Zugegeben, das Buch lag lange unberührt auf dem Buchtisch - es braucht einfach Zeit und Musse um in über tausend Seiten Irving-Welt einzutauchen.

Was ich vermutete ist eingetroffen, einmal angefangen, lässt einem das Buch nicht mehr los. Alles ist da, was bereits "Das Leben von Garp" ausmachte, Tempo, Wissen, Witz, Ringen, kleine Männer und grosse Frauen. Seite um Seite lese ich mich durch den Wälzer. Scheinbar Belangloses wird aufgetischt, zur Kenntnis genommen wie ein Boulevard- Zeitungsartikel. Doch mit dem weiteren Fortschritt der Erzählung gewinnt jedes Detail eine neue Bedeutung und prägt die Geschichte.

Wir begleiten den späteren Hollywoodstar Jack Burns durch sein Leben, erleben, wie er als Vierjähriger seine Umgebung wahrzunehmen glaubte. Oder wurde sie ihm einsuggeriert, durch seine Mutter, die Jacks getürmten Vater wieder einfangen möchte?

Frauencharaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten, kümmern sich um Jack und sein Leben, bis er als Vierzigjähriger selbst auf die Suche nach seinem Vater geht.

Stars haben es auch nicht einfach, ist eine Erkenntnis aus dem monumentalen Werk. Und dass der Roman stark authentische Züge tragen soll, bringt den Autoren seiner Fangemeinde noch näher.

Wir immer nach der letzten Buchseite von Irving-Romanen stellt sich die Frage: schon fertig? Ich hätte gerne noch weitere tausend Seiten gelesen.

Peter Maibach (2008)


Buchinformationen

Bis ich dich finde
John Irving
1140 Seiten
Diogenes Verlag, Zürich
ISBN 3-257-065-22-1