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Jonathan Franzen, Freiheiten

franzen_freiheittMit “Korrekturen“ katapultierte sich der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren empor. Es war ein Schlüsselroman für die kleinen und grossen Familiengeschichten, die angesichts der lockerer werden Sitten immer komplizierter werden. Mit „Freiheiten“ liefert er einen starken Rundblick über familiäre Bande und über deren Zerfall nach.

In St. Paul führen Patty und Walter mit ihren zwei Kindern Joey und Jessica so etwas wie eine Vorzeigefamilie. Im Gegensatz zu den meisten andern Frauen geht  Patty keinem broterwerbenden Beruf nach, sondern kümmert sich als Ehefrau und Mutter vollamtlich ihrer Familie. Das Glück währt so lange, bis der sechzehnjährige Joey die bemutternde Umklammerung seiner Mutter nicht mehr aushält und auszieht – ins Nachbarhaus zur Familie seiner Freundin Connie. Patty begreift die Welt nicht mehr. Sie hat sich doch so bemüht, eine gute Mutter zu sein. Anders als ihre eigene Mutter, von der sie sich vernachlässigt gefühlt hatte, die nie ein Basketballspiel ihrer Collegemannschaft besucht hatte. Dabei war sie dort die absolut beste Spielerin gewesen. Auch Walter, ihr Mann, prinzipieller Antialkoholiker, ist perplex. Weil sein Vater ein Säufer gewesen war, hatte er sich selber nie einen Schluck gewährt. Seine Kinder sollten nicht wie er unter einem Alkoholiker Vater leiden.

Joeys Schritt führt schliesslich dazu, dass sich Patty sich plötzlich Freiheiten erlaubt, die sie sich bisher verboten hat. Sie trifft wieder Richard, den besten Freund ihres Mannes. Eigentlich hatte sie sich diesem charmanten, freizügig lebenden Rockmusiker immer stärker zugezogen gefühlt als dem knochentrockenen, vehement um sie werbenden Walter, schliesslich aber die Sicherheit einem garantiert unsteten Leben vorgezogen.

Jonathan Franzen öffnet in „Freiheiten“ die Abgründe, die über Generationen hinweg die Familien zerrütten und trotzdem irgendwie zusammen halten, zeigt die offenen und verborgenen Aggressivitäten, die mehr oder weniger verheilenden Wunden, die man sich gegenseitig zufügt. Es ist ein starker Roman über Familiensituationen, wie man sie gerne (nicht) hätte.

Teddy Buser (2011)


Buchinformation

Jonathan Franzen, Freiheiten
Gebundene Ausgabe
IBSN 978-3-498-02129-0

731 Seiten