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Hansjörg Schertenleib, Cowboysommer

cowboysommerBoyroth ist ein schillernder Teenager, interessanter als andere, charismatischer, mutiger, und völlig unangepasst. Auch Hanspeter ist von ihm begeistert, sie werden Freunde, teilen ihre Vorlieben für frisierte Motorfahrräder, Led Zeppelin, Canned Heat, und sie spielen beide Fussball bei den Junioren des FC Blue Stars Zürich. Boyroth besser als die meisten andern. Boyroth hat auch eine interessante Schwester, Yolanda. Sie geht Hanspeter nicht aus dem Sinn, obwohl sie mit einem andern zusammen ist. Man zählt das Jahr 1974, ein Zeitalter der Rebellion, der Hippies, der Absage an das spiessige Leben der Eltern. „Man“ lebt anders, denkt anders, will anders sein. Jede Demo während der Zürcher Unruhen wird besucht. Logo!

Das geht alles gut - bis zu jenem fürchterlichen Töff- Unfall, bei dem Boyroths Schwester und ein weiterer Freund der Gruppe, Fabio, den Tod finden. Hanspeter ist nicht dabei, er hatte sich vorher auf einen Trip nach Nordeuropa davon gemacht. Der Unfalltod der beiden jungen Menschen verändert alles. Die Situation, die Menschen, das Zusammenleben. Die Werte verschieben sich, die Trauer und der Schock über den unerwarteten Verlust, die immer wiederkehrenden Fragen über die Schuld bringen die bisherige Lust an gemeinsamen Aktivitäten und am Rebellieren zum Schweigen. Yolanda und Fabio sind tot, Boyroth ist nicht mehr der Alte. Die Wege von Boyroth und Hanspeter trennen sich. Sporadisch begegnet man sich wieder. Kurze Momente lang meldet sich die alte Vertrautheit. Aber die Freude kann nur kurz sein. Das Leben hat die Freunde auseinander dividiert.

„Cowboysommer“ scheint stark autobiographisch geprägt zu sein. Wie Hanspeter, die Ich-Figur im Buch, absolvierte auch Hansjörg Schertenleib in den siebziger Jahren eine Schriftsetzerlehre, unternahm in jungen Jahren Reisen in den Norden Europas. Heute lebt Schertenleib in Zürich und in Irland. Er schreibt in einer sachlich- flüssigen Sprache. Was er in „Cowboysommer“ schildert, erinnert an eigene mehr oder weniger geglückte Fluchtversuche aus der engen Kiste der Kindheit und des Erwachsenwerdens.

Teddy Buser (2011)



Buchinformation

Hansjörg Schertenleib, Cowboysommer, Gebundene Ausgabe
IBSN 978-3-351-003321-7, 244 Seiten