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Roman von Dai Sijie

Buchcover kleine ScneiderinIch mag Buchtitel, die Purzelbäume schlagen. Und tatsächlich, der Griff zu Dai Sijie’s Buch war ein Volltreffer.

Wer zur Zeit der Kulturrevolution nach China blickte, kam am grossen Lotsen Mao nicht vorbei. Aus der Ferne wirkt sein Ausmisten der alten Werte auf uns junge Leute begeisternd. Jetzt, fast dreimal so alt wie damals, haben die brutalen historischen Tatsachen alle Revolutionsromantik aus den Köpfen verscheucht. Da kommt eine wortgewaltiger, frecher Roman wie dieser gerade recht.

Zwei Studenten werden wegen der scheinbaren Verfehlungen ihrer Eltern, wie hunderte andere Jugendliche aus der gewohnten Umgebung an der Universität gerissen und zur Umerziehung in eine abgelegene Bergregion verfrachtet. Das Leben im rückständigen Dorf ist einfach. Der Alltag wird von einem herrischen und strammen Maotreuen erbarmungslos geregelt. Die Studenten sind willkommene und billige Arbeitskräfte.

Doch bald einmal regt sich ihre Fantasie, um mit allerlei gewagten Abenteuern kleine Fluchten aus dem öden Alltag zu finden. So nutzen Luo und sein Freund ihre Begabung zum Geschichten erzählen und unterhalten bald einmal die Bewohner und vor allem den reichen Schneider aus dem Nachbarsdorf. Die beiden werden ins Tal geschickt um sich im Bezirkshauptort Filme anzusehen und sie der Dorfbevölkerung zu erzählen.

Unvermutet taucht als Fahrkarte in die Freiheit ein geheimnisvoller Koffer auf, der voller verbotener Bücher – darunter auch Balzac – wie eine Schatztruhe geplündert wird. Der Reiz der Literatur in der geistigen und besitzlosen Leere des Bergdorfes wird nur noch von der schönen und cleveren Tochter des Schneiders, der kleinen Schneiderin, übertroffen.

Eine Wettstreit um den Koffer und die Liebe der schönen jungen Frau entbrennt. Wem schlussendlich die Flucht aus dem Berggefängnis gelingt, sei nicht verraten – es wäre schade um den Lesespass

Peter Maibach (2008)


Buchinformationen

200 Seiten
ISBN 3 49223869 6
Piper - Verlag, München