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Bernhard Schlink

coverwochenendeDer ehemalige Terrorist Jörg wird begnadigt und vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Seine Schwester arrangiert ein Wochenende mit den alten Freunde aus der Zeit des RAF-Kampfes gegen Staat uns Establishment. Eine gemischte Runde kommt im abgelegenen, etwas vergammelten Haus zusammen. Dreissig Jahre sind vergangen, seit man jung und heiss war. Die meisten der Freunde haben sich arrangiert mit der Politik, dem Staat, dem damaligen Feind. Sie haben geheiratet, Karriere gemacht oder Jobs in Nischen gefunden, in denen sich gut überleben liess.

Anders Marko, er möchte am liebsten den Kampf wieder aufnehmen und nötigt Jörg eine Presserklärung ab, die im Widerspruch zu seinem Gandengesuch steht.

Überhaupt, was ist aus dem Kämpfer Jörg geworden? Er wirkt stark angeschlagen. War damals wirklich Krieg gewesen? Oder war er einfach zum Mörder geworden, wie ihm sein Sohn vorhält? Die Freunde sind immer noch bereit, zusammenzuhalten, doch die damalige wirre Zeit, die sie zusammenbrachte liegt weit zurück und ist längst Vergangenheit.

Noch einmal setzt Jörg zu einer grossen Ansprache an, bevor sich am Sonntag die Wege wieder trennen. Doch heute redet niemand mehr so, sind sich die Freunde einig. Die Führerfigur Jörg ist den einen zu wild, den andern zu zahm.

Wie in einem Kammerspiel bewegen sich die Figuren in einem eng begrenzten Raum, prallen immer wieder aufeinander. Entsprechend überzeichnet sind einzelne Rollen. Angenehm empfand ich, die wertfreien Bezüge auf die Zeit der RAF in Deutschland und deren Spätfolgen. Die Lebensfäden der Wochenendgäste werden ruhig gesponnen und enden in einem gemeinsamen Frühstück am Sonntag, wie es alltäglicher nicht sein könnte.

Peter Maibach (2008)


Buchinformationen

Das Wochenende
Bernhard Schlink
Diogenes
Taschenbuch, 225 Seiten
ISBN 978-3-257-86166-2