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Carlos Ruiz Zafon

Buchcover MitternachtspalastKalkutta, 1932. Sieben Waisenkinder werden sechzehn Jahre alt. Dies ist die Altersgrenze, bei welcher sie ihr geschütztes Leben im St. Patricks Waisenhaus aufgeben und ihren eigenen Weg ins Leben finden müssen. Die sieben Jugendlichen halten zusammen wie Pech und Schwefel, sie bilden den Geheimbund der „Chowbar Society“. Ben ist der Anführer und Isobel ist als einziges Mädchen zwar etwas kratzbürstig, aber der Liebling aller. Um Mitternacht trifft sich die „Chowbar Society“ in einem verfallenen Haus in der Nähe des Heims, dem Mitternachtspalast, um sich gegen den Rest der Welt zu verbünden.

In der Nacht des Abschiedsfestes tauchen eine alte Frau und ein Mädchen im Waisenheim auf. Ben erfährt, dass er eine Schwester hat, die jahrelang vor ihm verborgen aufgezogen wurde. Dies weil ein unheimliches Phantom Rache an der Familie üben wolle und es jetzt auch auf die beiden Geschwister abgesehen habe.

Die „Chowbar Society“ macht sich daran, das mysteriöse Geheimnis aus Kalkuttas Unterwelt zu lüften.

Zafon schrieb diese frühe Werk als Jugendbuch. Die Spannung, die morbide Umgebung und den Hang zum mystischen, die wir aus seinen Erwachsenenbüchern „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ kennen, lassen sich bereits erahnen.

Peter Maibach (2011)


Buchinformation

Carlos Ruiz Zafon: Mitternachtspalast
Fischer- Verlag, gebundene Ausgabe, 392 Seiten
ISBN 978-3-8414-4002-0

Michel Houellebecq

Buchcover Karte und GebietDie Romane „Ausweitung der Kampfzone“ und „Elementarteilchen“ spalteten Michel Houellebecqs Leserschaft in zwei Lager: Das eine war begeistert über seine schriftstellerischen und philosophischen Fähigkeiten, das andere empfand seine Abschweifungen in dunkle und destruktive Seiten des Lebens als Absteller.

„Karte und Gebiet“ ist anders. Er ist ein unterhaltsamer Gesellschaftsroman, beschreibt soziales und asoziales Verhalten des Menschen, stellt Personen in den Raum, die scheinbar keine sozialen Bindungen wollen, Begegnungen mit andern Menschen kaum ertragen, wenn sie längere Zeit dauern. Im Mittelpunkt stehen ein Maler und ein Literat – der Autor Houellebecq selber. Jed Martin ist der Maler, der zuerst Aufsehen erregt mit seinen grossen Fotografien von Strassenkarten und Satellitenbildern. Später wird er weltberühmt und steinreich mit grossflächigen Porträt-Malereien, in welchen er wichtige Szenen der modernen Geschichte darstellt. Die Reichen der Welt zahlen plötzlich für die Bilder eine Million Euro und mehr.

Jed Martin begegnet im Roman Houellebecq, weil er von ihm ein Vorwort für seinen Katalog will. Zwischen den beiden ergeben sich hochinteressante Gespräche und Betrachtungen über Kunst, Literatur, Liebe, Beziehungslosigkeit, den Wunsch sowohl nach Gemeinsamkeit als auch Alleinsein. Beide bevorzugen es, allein zu leben und sich ihrem Denken und Handeln hinzugeben.

Der Roman erfährt eine Wende, als ein grausamer Mord geschieht, in welche beide –Houellebecq und Jed Martin – einbezogen sind. War der erste Teil ein Roman mit interessanten Passagen über das gesellschaftliche Leben, mutiert der zweite zu einem veritablen Krimi.

„Karte und Gebiet“ ist ein überraschendes Erzeugnis von Michel Houellebecq. Auch jene, die nach den beiden oben erwähnten ersten Romanen irritiert Abschied nahmen von diesem Autor, könnten Gefallen daran finden und den feinfühligen Moralisten Houellebecq wieder in den Kreis ihrer lesenswerten Schriftstellen aufnehmen.

Teddy Buser (2011)


 

Buchinformation

Michel Houellebecq: Karte und Gebiet
Flammarion (Paris)
416 Seiten, Gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-8321-9639-4

Chalid al-Chamissi

Buchcover Im TaxiChalid al-Chassidi lebt in Kairo, er ist Journalist, Politikwissenschaftler, Filmproduzent, Drehbuchautor, Regisseur. Und er ist ein guter Zuhörer. Unterwegs im Taxi kreuz und quer durch Kairo lässt er etliche der gut 80 000 Taxifahrer in Ägyptens Metropole in knapp 60 Kurzgeschichten zu Wort kommen.

In den Gesprächen im abhörfreien Niemandsland in einem Taxi, dem in Kairo üblichen Transportmittel, kommt zur Sprache, was die Menschen im Land am Nil bewegt. Vieles, das wir als politische Aktualität wahrnehmen wird bereits angetönt: Verdruss über einen langsamen, korrupten Beamtenstaat, Polizeischikanen, Behördenwahnsinn, politischer Einheitsbrei. Aber auch menschliche Zwischentöne lassen erahnen, wie die findigen Ägypterinnen und Ägypter den Alltag meistern und dem starren, politischen Korsett ein Schnippchen schlagen.

Das charmant geschriebene Buch zeichnet ein Bild aus einem Kairo vor den aktuellen Protestbewegungen, das dem westlichen Newskonsumenten oder Touristen bisher verborgen blieb.

Peter Maibach (2011)


 

Buchinformation

Chalid al-Chamissi: Im Taxi - Unterwegs in Kairo
Lenos Verlag
Gebundene Ausgabe, 187 Seiten
ISBN 978 3 85787 413 0

Wolfgang Herrnhof

Buchcover TschickDie schwierigen Jahre zwischen Kindheit und Mann werden verbringt Maik meist alleine: die Mutter steckt als Alkoholkranke regelmässig in Entziehungskuren, der Vater, ein gescheiterter Immobilienhändler, sucht Trost bei seiner jungen, hübschen Assistentin. Auch in der Schule ist Maik Klinberg wenig beliebt, seine Schüchternheit wird ihm als Arroganz zur Last gelegt.

So findet sich Maik zu Beginn der Sommerferien alleine zu Hause, sein heimlicher Schwarm hat ihn nicht zur Geburtstagsparty eingeladen, einzig die Spielkonsole verspricht etwas Abwechslung in den kommenden Wochen.

Da drängt sich Tschick, ein junger Russe und ebenso Aussenseiter wie Maik in seine Langeweile. Die beiden Burschen knacken einen Lada und begeben sich auf eine verrückte Reise in die Walachei, zu Tschicks Grossvater. Der nun folgende „Roadmovie“ wird durch eine Reise in den Osten, aber auch in die innere Wertewelt der beiden jungen Männer, spannend und überraschend. Entsprechend hart ist der Aufprall in der Realität nach einem Autounfall. Die leichte und scheinbar unbeschwerte Reise endet vor dem Richter.

Peter Maibach (2011)


Buchinformation

Tschick
Wolfgang Herrnhof
Rowohlt Berlin
gebundene Ausgabe 253 Seiten
ISBN 978 3 87134 710 8