Sommer des Jahres
Eine Sommergeschichte für Daheimgebliebene

matte 24082014

Wir haben uns durch den Schnee gekämpft, wir sind durch Regen gewatet, haben Stürmen getrotzt – und jetzt, endlich, steht der Sommer vor der Türe. Voller sonnenheller, bunter Tage, mit Badilärm und tropfenden Gelati. Und mit den langersehnten Sommerferien.

Sommertage und Ferienlaune teilen die arbeitende Menschheit in drei Klassen: Die Glücklichen, die bald in die Ferien reisen, die weniger Glücklichen, die schon wieder aus den Ferien zurück sind und die Unglücklichen, die an der Arbeit ausharren und von Ferien nur träumen. Und um wollen wir uns mit aufbauenden Ratschlägen kümmern. Denn es gibt keinen Grund, frustriert zu sein. Bloss die Sichtweise etwas verändert und schon befinden Sie sich im Büro in einer privilegierten Lage.

Die Welt wird grösser!

Alle sind weg. Sie stehen im Stau am Gotthard, in einer Warteschlange im Flughafen, in einem stickigen Zug – sie sind überall, aber einfach nicht hier! Stadt, Strassen, Züge, Busse, Trams sind leer, die Büros verwaist. Und wir Zurückgebliebenen mittendrin im Paradies. Keine Morgenmuffel, aber auch keine überdrehten Gute-Laune-Apostel, keine Telefonschreier, keine Tastaturklopfer, kein nervendes Radioprogramm. Die Arbeit gleitet ruhig dahin wie eine Drohne auf Autopilot.
Ehrlich: Was vermittelt mehr Ferienstimmung? Stau, stickige Abflughalle? Rundherum Hardliner aus der No-Deo-Bewegung? Ein missmutiger Zollbeamter, der neugierig das Gepäck durchwühlt? Eine Security-Lady die hartnäckig alles aufschraubt, was ihr an Toilettenartikel in die Finger kommt? Oder halt doch der entspannte Sommergroove im Büro?

Heiss? Nicht mit uns!

Man reist also an die Sonne, röstet sich bis zum 360-Grad all inclusive Sonnenbrand. Schlafen kann man nur noch auf Zehenspitzen und im Besenschrank. Soll ich die Stechmücke machen lassen oder klatsche ich sie weg – trotz rot? Kurzum, so muss sich Abenteuerurlaub anfühlen.
Im Büro hingegen haben die lieben Kolleginnen und Kollegen freundlicherweise ihre Ventilatoren zurückgelassen. Gut aufgestellt entsteht schnell auch im drückendsten Büro ein Windkanal, der an Nordsee im November erinnert. Seit Generationen überliefertes Wissen unserer Vorfahren zu einem ausgeklügelten Lüftungs-Durchzugs-Storen hoch und runter Schema verspricht den ganzen Tag hindurch Schatten und Kühle. Der Dresscode wird mit zunehmenden Temperaturen gelockert: Die Seriösen erfrischen sich mit etwas helleren Anzugsfarben, weniger Radikale senken die Ansprüche an die textile Correctness bis knapp an die rote Linie der Flipflop-Intoleranz. So entsteht bald einmal in tristen Büroräumen eine fröhliche Ferienstimmung, die in nichts dem Strandleben nachsteht.

Teamwork – einmal anders

Am Strand so? Jeder Sonnenschirm, jeder Liegestuhl will gemietet werden. Gefühlt ungefähr zum Preis einer Wohnung im Prime Tower in Zürich. Natürlich gibt es sonst weit herum keinen Schatten. Nur heisser Strand, der die wenigen Schritte zum lauwarmen Meer zum Feuerlaufen werden lässt. Dann naht der grosse Sommerspass: Ein paar Züge schwimmen bis man genug Salzwasser geschluckt hat. Dabei stets ein nervöses Auge auf den Badesachen. Ein Problem natürlich, das man bei Bergferien nicht kennt, denn wenn es gerade einmal nicht regnet, schneit es oder Nebel zieht auf. Gut geht es dem, der Wintersachen eingepackt hat.
Zurück im Büro. Wir finden neue Kolleginnen und Kollegen, ziehen in ad-hoc-Seilschaften ins Marzili, lassen uns in der Aare treiben, natürlich stets ein Auge auf das Bundeshaus. Wenn in der grössten Nachmittagshitze die Völkerwanderung in die Badi beginnt, der "Fleischsalat", wie Grossmutter zu sagen pflegte, sitzen wir längst wieder vor dem PC in der Kühle und haben garantiert keinen Sand in der Badehose.
Dann naht der Feierabend, die grösste Hitze ist vorbei. Schwierigen Fragen stellen sich: Direkt nach Hause, im halbleeren Zug? Grillen im Garten oder nochmals in die Aare? Oder in einem lauschigen Biergarten den Tag ausklingen lassen? Ach, es ist so ein Stress, nicht in den Ferien zu sein.

Und das Beste - die anderen kommen zurück

Vieles ging gemächlicher in den Ferienwochen, Sitzungen sind ausgefallen. Dringendes ist irgendwo in den Mails verschollen. Der letzte Tag, bevor die Kolleginnen, die Kollegen zurückkommen ist Pendenzenparty! Es ist der beste Moment, all die angehäuften Mails, die aufgestauten Sitzungseinladungen weiterzuleiten. Möglichst mit dicken Anhängen und Mehrfach-CC's. Denn nichts ist bereichernder, als zu wissen, dass man gebraucht wird und dass man vermisst wurde. Also, geben Sie sich einen Ruck und bereiten Sie den Rückkehrern einen würdigen Empfang und eine prallvolle Mailbox.
Wir geben zu, das ist natürlich alles masslos übertrieben. Haben Sie Erbarmen mit dem Autoren, der offenbar einen Hitzeschaden hat.
Der freut sich nämlich schon auf die nächste Schneeballschlacht!

Peter Maibach, 2018

Süsse Weihnachten - von Peter Peter Maibach

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Doch, Weihnachten mag ich gerne. Sehr sogar. Am liebsten ist mir die Vorfreude im Dezember auf die festlichen Tage, der Advent. Lange hielt ich mich an die Berner Regel meiner fernen Jugend: Zuerst der Zibelemärit, dann 1. Advent mit einem schlichten Adventskranz, dann der Samichlous und die ersten Mandarindli. Und dann presto, presto vorwärts Richtung Feiertage, Familie und Festessen.

Schön war es, in der guten alten Zeit. Denn neuerdings startet bereits an Halloween der weihnächtliche Jahresendspuk. Kleine Plaggeister hämmern an unserer Haustüre und fordern lautstark: „Süsses oder Saures!“ Natürlich gibt es immer Süsses und genau da beginnt meine kleine Weihnachtsstörung: Der Weg zum Weihnachtsfest ist mit Süssigkeiten gepflastert.

Süsse Versuchungen

Alle Jahre wieder schlagen die Allwissenden in den Illustrierten ihre Purzelbäume: „Gibt es gute Kalorien? Tut Zucker wirklich gut? Ja, braucht es überhaupt Zucker?

“In Weihnachtsgebäck und in Schokolade auf jeden Fall! Und lieber zu viel, als zu wenig, behauptet die backende Gilde. Ich wäge die Meinungen ab und sage mir: „Probieren geht über Studieren!“ Widerstand ist sowieso zwecklos.

Denn Jahr für Jahr werden die Köder ausgelegt: Süsse Seelenwärmer und nahrhafte Aufmerksamkeiten liegen wunderschön drapiert und in optimaler Griffhöhe an allen Wegen und Pfaden, von der heimischen Küche bis hin zum Fernsehsessel.

Aus den üblichen Trampelpfaden werden lockende Strassen der Versuchung. Hier ein herziges Körbli, dort ein schmuckes Tellerchen, ein Säckli, ein Truckli mit Leckereien nach alten Rezepten aus dicken, klebrigen Kochbüchern. Arrangiert mit bunten Schokoladekugeln, drapiert um Berge von Erd- und Baumnüssen. Dazwischen einzelne dekorative Tannzweiglein und Kerzli. Aber die zählen eigentlich nicht, denn die sollte man nicht essen. Besser zum Verzehr eignen sich die Alibi-Mandarinen mit ihrem vitaminreichen Kontrast zur Beruhigung des schlechten Gewissens.

Bilder 2017 04 2828 01Alle backen!

Eine Epidemie greift um sich: Freundinnen, Freunde, deren Kinder, Grosseltern, Tanten ja sogar wildfremde Menschen schwingen den Teiglöffel, lassen die Knetmaschine aufheulen, kippen sackweise Zucker in die Teigschüssel. Und Butter! Und überhaupt, alles, was die Ernährungsberaterin verboten hat. Nur so nebenbei: Diese und die Zahnfee haben eine Selbsthilfegruppe gegründet und treffen sich im Advent regelmässig im Botanischen Garten, bei den exotischen Früchten.

Hilfe!

Die Tage werden kürzer und der Gürtel leider ebenso. Wie bloss sollen wir die Zeit bis in den Januar durchhalten, ohne zu platzen? Halten Sie sich an die exklusiven, erprobten Tipps eines Diätdinosauriers. So kommen Sie federleicht durch die Weihnachtszeit:

  • Treiben Sie keinen Sport. Bewegung verbrennt Kalorien, und die wollen reichlich ersetzt werden. Zudem ist es viel zu gefährlich. Denn wer einen Unfall erleidet, wird in der Regel mit Süssigkeiten getröstet.
  • Messen Sie die zunehmende Körperfülle nicht am Hosenbund. Fokussieren Sie sich auf die Schuhe. Wenn sie passen, werden sie nicht enger.
  • Vermeiden Sie Fake-News! Stellen Sie sich nicht auf die Waage. Wenn es doch unbedingt sein muss, vermeiden Sie den Blick auf die Anzeige. Denken Sie daran: Nur wer sich wägt hat Gewichtsprobleme.
  • Überkleben Sie die Anzeige der Waage und denken Sie sich beim Wägen eine schöne, neue Zahl. Autosuggestion ist schnell gelernt, schon nach wenigen Tagen fühlen Sie sich beschwingt und sind dem Idealgewicht nahe.
  • Verschieben Sie nicht auf Morgen, was Sie heute essen können. Arbeiten Sie vor: Süssigkeiten, die sie heute vertilgen, machen sie morgen nicht mehr schwer.
  • Verwirren Sie ihren Stoffwechsel und ersetzten Sie ab und zu die Süssigkeiten durch Fondüs oder ähnlichen bekömmlichen Wintergerichten. Vor lauter Schreck verbrennt der Körper gleich alle Kalorien einer ganzen Woche! Sicher!

Weihnachten voraus!

Doch alle Tricks nützen nichts, wir wissen es längst. Selbstverständlich werden wir am 2. Januar alle unsere guten Vorsätze auf einmal befolgen. Ein neues Leben wird beginnen: Wir werden nur noch lauwarmes Wasser trinken, uns ausschliesslich von Rüebli ernähren und pausenlos Sport treiben.

Bis dahin gilt das zwölfte Gebot: "Was soll's?" Es ist Weihnachtszeit, und das gibt’s nur einmal im Jahr. Es ist immer wieder schön: Feiertage, Familie, Freunde, Festessen. Süsse Versuchungen gehören genauso dazu, wie ein eigenwillig interpretiertes "Oh Tannenbaum" auf den quietschenden Blockflöten unserer kleinen Künstlerinnen und Künstler.

Der aufgummierte Frühling

Frühling, die Jahreszeit der Liebe? Die Antwort auf diese Frage muss jeder für sich selber beantworten. Tatsache ist, dass mit den ersten warmen Sonnenstrahlen deutlich mehr Verliebte auf den Parkbänkchen anzutreffen sind als etwa im eisigen Winter - logisch. Die "amoureux des bancs publics" wirken ansteckend und schon nach einigen wenigen milden Tagen verwandelt sich die Berner Münsterplattform in einen romantischen Park der Freuden.

Diese Freuden allerdings können durchaus auch unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringen oder wie mein Vater zu seinem damals zum Mann erwachenden Sohn gegenüber  seiner Aufklärungspflicht abschliessend nachkam: "Mach was du willst, aber mach nichts Lebendiges". Dermassen gut gerüstet schritt ich zuerst in den obligatorischen Tanzkurs und dann hinaus ins Leben. Wobei sich bald einmal herausstellte, dass das einmal mehr so eine Erwachsenensache war, bei der Theorie und Praxis weit auseinanderklaffen.

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Der Nein Stein von Peter Maibach, erschienen im 2008 im Mattegucker

Unten am Tych, zwischen den beiden Schulhäusern in der Berner Matte steht ein eindrucksvoller Felsbrocken. Der hohe, kantige Stein ist beliebt als Kletterfels, jedenfalls bei den Schülerinnen und Schülern, die Mut genug haben, hinauf und auch wieder hinunter zu klettern. Der Stein wurde 1985 beim Bau des Kraftwerkes Matte ausgegraben und auf dem Pausenplatz aufgestellt, ein Findling, wie viele andere, der in der Eiszeit von einem Gletscher bis nach Bern getragen wurde.

Was aber nur wenige wissen dürften, ist dass der Stein innen hohl ist. Natürlich nicht der ganze Stein, sonst würde er dumpf tönen, wenn man darauf klopft. Aber es hat eine Wohnung im Findling und sogar einen Eingang. Der ist sehr schmal und sehr, sehr gut versteckt. Man kann ihn nur finden, wenn man genau weiss wo er ist. Man muss schon genau hinschauen. Und etwas Glück braucht es auch dazu, aber das wissen ja alle, die mit versteckten Höhlen zu tun haben.

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Der Mensch werde, so sagen Kenner, die es besser wissen müssen, von Leidenschaften gesteuert.

Gefährlich aber werde es, wenn sich mehrere Leidenschaften miteinander verbänden und sich sogar noch auf ähnliche Leidenschaften eines Partners ergänzend auswirkten. Es wird in derart heimtückischen Fällen auch dem psychologisch weniger erfahrenen Amateur klar, dass rasch aus träger Masse hochexplosiver Stoff entstehen kann, der sich beim geringsten Funken entzünden wird.

Im konkreten Fall unserer allgemein eher harmonischen Ehe kommt – nebst der mich anfangs etwas befremdenden Neigung zum Kaffeerahmdeckeli sammeln meiner sonst sehr geschätzten Gattin – eine grosse Liebe zu Gedrucktem in jeder Form und Farbe zusammen. Als gemeinsames Steckenpferd mag das ja durchaus erträglich erscheinen.

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