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Nach einem besorgten Blick auf unsere welken Kontensalden und schrumpfenden Bargeldbestände kam das Weihnachtsfest in jenem Jahr eindeutig im falschen Moment. Ein paar einsame Münzen kullerten im schlaffen Portemonnaie herum wie die Kindertränen beim entfliegenden Luftballon.

«Meine allerliebste Ehefrau», sprach icaa essen 01h, «es hat nichts mit dir zu tun. Aber die Lage ist ernst. Weit und breit ist kein positiver Saldo in Sicht und Weihnachten steht vor der Tür. Einzig deiner frohen Natur wird es gelingen, in diesem Jahr Glanz in unsere trübe Stube zu bringen. Doch es ist das Fest der Liebe und wir werden auch so glücklich sein!»

 

«Du willst mir also keine Geschenke kaufen?»
Ich machte grosse Augen und zuckte bedauernd mit den Schultern.
«Keine Party, keine Leute, gar nichts? Du willst bloss zu Hause hocken und Fernsehen?»
Ich seufzte voller Bedauern.

 

Aber ein paar kleine Geheimnisse bleiben einem immer. So hatten sich - wohl eher zufällig - ein paar Banknoten in meine Richtung verirrt. Es war mir sogar gelungen, sie festzuhalten. Und, oh Wunder, ich hatte es zustande gebracht, diese unerwartete stille Reserve vor neugierigen Blicken und flinken Fingern verborgen zu halten.
Ein neuer Tag nahm seinen Lauf, kalt, klar. Der letzte Arbeitstag vor den Feiertagen. Bis zum Ladenschluss würde es knapp reichen für ein schönes Geschenk. In unzählige Laufmeter glänzendes Papier müsste es eingewickelt sein, und eine riesige rote Masche würde es krönen. Noch eine Stunde, und ich würde durch die Läden eilen, auf der Suche nach der einmaligen Überraschung. Im weihnachtlichen Glanz der Liebe würde das Geschenk mit der erhofften Freude um die Wette strahlen. Die Banknoten jedenfalls knisterten geheimnisvoll in ihrem Umschlag in der Jackentasche. Hörte ich Kirchenglocken?

 

Das aufgeregte Läuten des Telefons riss mich aus meinen Träumereien. «Halleluja – äh Entschuldigung – hallo», rief ich gut aufgelegt ins Mikrophon.
«Tante Agathe und Onkel Alfred sind in der Stadt, sie kommen mit den Kindern zu uns! Mit allen Kindern! Heute Abend!»
Heiliger Bimbam! Die bunten Seifenblasen meiner Träume zerplatzen wie zertretene Weihnachtskugeln. Ich wusste, absagen kam überhaupt nicht in Frage. Ewiger Familienfluch, Verbannung auf eine einsame Insel war das mindeste. Bilder zornesroter Gesichter der vereinigten Onkel und Tanten schossen mir in Sekundenbruchteilen durch den Kopf.

«Ade stille Nacht, ihr mühsamen Kinderlein kommet», machte ich still die Faust im Sack. «Wie schön für uns, dann sind wir ja auch nicht mehr so alleine», krächzte ich ins Phone, das bleischwer wurde.
«Finde ich aber auch! Wirklich!», rief die Nichte unzähliger lauter und mit Schmuck behangener Tanten und Zigarren paffender Onkel. «Übrigens, ich brauche Bares, schnell viel Bares, um für uns alle einkaufen zu können, mein Schatz!» Zahlenreihen zogen flackernd an meinem inneren Auge vorbei. Grosse rote Zahlen und selten kleine schwarze und unzählige neutrale Nullen tanzten einen Hexentanz um mich herum. Ich ergab mich in mein ungerechtes Los: «Also, wenn wir mit den Zins ein paar Tage schieben, dann sollte das klappen. Eine Karte zum Mietkonto ist in meiner Schublade, ganz hinten und der Code lautet ...»

Die Verbindung wurde abrupt unterbrochen. Ich tippte wild Zahlen in meinen Rechner. Ach was soll’s, es ist ja nur einmal Weihnachten im Jahr, ich löschte die Anzeige wieder. Und dann blieb mir ja noch mein Überraschungsgeschenk. Wenn ich bloss schon wüsste was! Im Geist zog ich bereits durch die festlich geschmückten Geschäfte der Stadt.
Doch schon wieder schlug das Handy Alarm.
«Hallo, mein Schatz», flöteten mir Engelszungen entgegen. Diesen zuckersüssen Ton kannte ich nur zu gut. Irgendetwas war schiefgelaufen. Tatsächlich: «Schatz, der Code! Er war falsch! Dreimal nacheinander! Das Bankomatmonster hat die Karte verschluckt!»

Ich schwieg.

«Sag etwas, tu etwas!»
«Am Bankschalter geben sie dir einen Notscheck», sprach ich nach einer Pause innerer Sammlung, «wenn du deinen Ausweis vorlegst!»
«Superidee, Mister Schlaumeier, aber heute ist Feiertag, und die Banken schliessen gleich, da ist schon keiner mehr!»
Ich versuchte, mich zu konzentrieren. Ich sah ein Nadelöhr, vor dem sich Kamele drängten. Alle sahen sie ähnlich aus wie Tante Agathe und Onkel Alfred.
«Was machst du? Bist du noch dran? Sprich mit mir!»
«Ja, gut, ich ziehe los und versuche es mit meiner Karte. Aber hörst du, gleich nach Weihnachten zahlen wir wieder ein!»

 

Die Schlange vor dem Bankomaten war ebenso lang wie ich ungeduldig. Endlich kam ich an die Reihe. Hastig tippte ich den Nummerncode ein. «Leider nein, vielleicht ein andermal?», piepste die Maschine schadenfroh, "Diese Karte ist schon gesperrt, frohe Weihnachten!". Zornig hämmerte ich auf die Tasten. Nichts zu machen, holprig, aber unaufhaltsam rumpelte die Stahltür vor und verschloss die Pforte zu Alibabas Höhle. Hinter mir räusperte sich ein rücksichtsloser Mensch laut und deutlich. Irgendwoher tönten grässliche Weihnachtslieder, Blockflöte, Trompete von Jericho und mit Gitarrenbegleitung. Ich floh, schüttelte den Schneematsch von den Winterschuhen, senkte den Kopf und ballte die Faust.

 

aa essenZu Hause, im Treppenhaus, verabschiedete ich mich endgültig von meinen hochfliegenden Weihnachtsträumen. Ich zog den knisternden Umschlag aus der Jackentasche und schaute abwesend auf die Banknoten in meiner Hand. Die Haustüre flog auf.
«Fein, du hast das Geld? Komm, hier, nimm die Taschen, wir müssen uns beeilen, die Läden schliessen gleich!»
Ein Vermögen später stapelten sich in unserer kleinen Küche Kisten, Tüten und Taschen, in welche sich die geplante Weihnachtsüberraschung im Eilzugstempo verwandelt hatte. Mit roten Backen stand mein Barockengel inmitten der Pracht: «Du wirst sehen, das wird eine Feier wie noch nie!»

 

Es wurde ein Weihnachtsfest wie immer. Wir kochten für Legionen, assen und tranken zu viel und zu üppig. Die Gäste waren laut und ihre Kinder auch. Im Laufe des Abends aber stahl sich still und heimlich die Weihnachtsstimmung in unsere Stube. Entspanntes Lachen vertrieb Zank, Unmut und Vorurteile. Wir rückten näher, es wurde richtig gemütlich und feierlich.
Beim Aufräumen, als die Gäste längst gegangen waren, musste ich zugeben, dass Weihnachten halt doch ein schönes Fest ist.

In der Nacht jedoch schrak ich hoch: Wie erkläre ich bloss der strengen Wächterin der Kontoauszüge, dass im Januar keine Bankbelastung erfolgen wird?

Peter Maibach

schneemannDer Dezember ist ein aufreibender Monat. Manchmal vergeht die Adventszeit unerträglich langsam, die Fensterchen im Adventskalender scheinen nie aufgehen zu wollen. Der erhoffte Geschenkberg unter dem Weihnachtsbaum liegt noch in unerreichbarer Ferne. Doch dann, später, im Berufsleben zerfliessen die Tage immer schneller und Termine und Fristen sausen nur so an einem vorbei. Alles muss noch vor den Feiertagen abgehakt sein, abgeheftet und aufgeräumt, damit ein frisches, blankes Jahr angegangen werden kann. Kaffeerunden, Weihnachtsessen, Apéros und Ansprachen prägen die letzten Tage und Stunden vor dem grossen Feiern.
Aber auch zu Hause ist es kaum ruhiger: Einladungen planen, Geschenke auftreiben, Partys organisieren, Freunde und Familie besuchen, Kerzenziehen mit den Kleinen, Weihnachtsmärkte abklappern mit den Grossen, was ist nicht alles in so kurzer Zeit unter einen Hut zu bringen!
Wen wundert’s, wird es auch auf dem Nachhauseweg hektisch. Es ist kalt, es regnet, der Bus hat Verspätung und alle wollen gleichzeitig ein- und aussteigen. Kinderwagen quetschen sich zwischen den Passagieren durch, wer zuhinterst steht will unbedingt zum Ausgang, wer bei der Türe steht, will partout noch nicht aussteigen.
Im Zwölferbus suchte ich mein inneres und äusseres Gleichgewicht – schwankend zwar, aber ohne Sturzgefahr. Zu gross war das Gedränge. Beim Bärenplatz stieg eine junge Mutter mit ihrer Kleinen in den Bus. Das Mädchen klammerte sich an einen prächtigen, hellblauen Luftballon an einem pinken Bändel. Ballon? Nein, eine Montgolfiere, eine fragile Riesenkugel, die über dem Kopf der Tochter schwebte und schwankte und die anderen Buspassagiere mit einem leisen Plonk, Plonk anstiess.
Ich wurde neugierig: würde die Kleine es schaffen, ihren Wunderballon heil durch die Busfahrt zu bringen? Ihre Mami schien sich dieselbe Frage zu stellen. Alle rundherum bereiteten sich insgeheim auf den Knall vor und auf die unausweichlichen Kindertränen – und auch auf die bevorstehende Enttäuschung.
Doch das kleine Feierabendwunder im Zwölfer geschah. Die gehetzten, müden Bernerinnen und Berner begannen sich zu entspannen, unmerkbar zurückzuweichen. Sie bildeten behutsam einen schützenden Kreis um die Kleine und ihren enormen Ballon. Das Mädchen nahm diese ungewöhnliche Solidarität mit grösster Selbstverständlichkeit entgegen, sie hatte nichts anderes erwartet und schaute vergnügt zu ihrem Ballon hoch.
Für die kurze Fahrt zwischen Zytglogge und Rathaus herrschte in der Ballonecke Bus eine friedliche, sozusagen vorweihnächtliche Stimmung, geübte Beobachter errieten hier und da ein feines Lächeln. An der Haltestelle Rathaus stiegen Mutter und Tochter aus. Die Mutter schien erleichtert zu sein und sich zu entspannen.
Die kleine Prinzessin hüpfte fröhlich den Weg Richtung Münsterplattform entlang, zog wild am Bändel, spielte mit ihrem Ballon, als hätte sie nie im Bus gestanden und hätte sich um ihren Ballon sorgen müssen.
ballonDann geschah das Unglück: Der Ballonbändel glitt von der kleinen Hand und der befreite Luftballon zog ruckelnd, aber zügig vor dem Münster hoch, war schon fast auf halber Höhe des hell beleuchteten Kirchenschiffs, glitt in an den Scheinwerfern vorbei, tief hinein in die dunkle Nacht.
„Aber jetzt geht die Musik richtig los!“, schoss es mir durch den Kopf. „Schade, es ist so lange gut gegangen.“ Ich meinte, die Enttäuschung der Kleinen bereits zu spüren.
Doch das Mädchen schaute still ihrem Ballon nach, wandte sich nach etlichem Überlegen an ihre Mutter und meinte: „Gäll Mami, jetzt ist er wäg? Er ist sicher schon bei den Ängeli oben.“
Für mich hingegen war es höchste Zeit für weiter, zum Mattelift und dann nach Hause zu eilen. Es blieb noch so viel zu erledigen.
20.11.2015 / Maibach

Der aufgummierte Frühling

Frühling, die Jahreszeit der Liebe? Die Antwort auf diese Frage muss jeder für sich selber beantworten. Tatsache ist, dass mit den ersten warmen Sonnenstrahlen deutlich mehr Verliebte auf den Parkbänkchen anzutreffen sind als etwa im eisigen Winter - logisch. Die "amoureux des bancs publics" wirken ansteckend und schon nach einigen wenigen milden Tagen verwandelt sich die Berner Münsterplattform in einen romantischen Park der Freuden.

Diese Freuden allerdings können durchaus auch unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringen oder wie mein Vater zu seinem damals zum Mann erwachenden Sohn gegenüber  seiner Aufklärungspflicht abschliessend nachkam: "Mach was du willst, aber mach nichts Lebendiges". Dermassen gut gerüstet schritt ich zuerst in den obligatorischen Tanzkurs und dann hinaus ins Leben. Wobei sich bald einmal herausstellte, dass das einmal mehr so eine Erwachsenensache war, bei der Theorie und Praxis weit auseinanderklaffen.

Und hier können Sie ganze Geschichte als PDF herunterladen

Maltadrive
eine humorvolle Geschichte von Peter Maibach

«Man muss reden miteinander», pflegte Grossmutter zu sagen, wenn der Grossvater mürrisch und schweigsam seine Lieben durch den Sonntagsstau kutschieren musste. Er wusste nur zu gut, wo Schweigen einer höheren Lebenserwartung zuträglicher ist, als hemmungsloses Kommunizieren. Und Sie, glauben Sie noch an das Gute im Auto? Dann steigen Sie ein, die Fahrt geht gleich los!
Seit der Verbreitung mindestens zweiplätziger Verkehrsmittel geht ein schwerer Zwiespalt durch die automobile Bevölkerung: sitzplatzabhängig gibt es Lenker und Besserwisser. Werden unterwegs die Plätze getauscht, so werden auch die Rollen gewechselt: aus dem ehemaligen Lenker wird spätestens nach der zweiten Ampel ein resoluter Kritiker, der neue Steuermann hingegen verliert ob der nörglerischen Kommentare seines Beifahrers die Nerven, die guten Manieren und danach möglicherweise die Beherrschung über sich und sein Fahrzeug. Besonders beliebt ist das automobile Gesellschaftsspiel im Kreis lieber Angehöriger. Genüsslich werden alle Feinheiten der Kommunikation unter Familienmitgliedern zelebriert, bis sich die Wagenscheiben beschlagen und die Familienbande sich gegenseitig verspricht, alle Testamente neu zu abzufassen, sollte man dem Fahrzeug je lebendigen Fusses wieder entsteigen. Die solideste Familienkarosse wird schon bei einer harmlosen Ausfahrt zum energiegeladenen Streitwagen.

und hier ist die ganze Geschichte zum Herunterladen.

Der Nein Stein von Peter Maibach, erschienen im 2008 im Mattegucker

Unten am Tych, zwischen den beiden Schulhäusern in der Berner Matte steht ein eindrucksvoller Felsbrocken. Der hohe, kantige Stein ist beliebt als Kletterfels, jedenfalls bei den Schülerinnen und Schülern, die Mut genug haben, hinauf und auch wieder hinunter zu klettern. Der Stein wurde 1985 beim Bau des Kraftwerkes Matte ausgegraben und auf dem Pausenplatz aufgestellt, ein Findling, wie viele andere, der in der Eiszeit von einem Gletscher bis nach Bern getragen wurde.

Was aber nur wenige wissen dürften, ist dass der Stein innen hohl ist. Natürlich nicht der ganze Stein, sonst würde er dumpf tönen, wenn man darauf klopft. Aber es hat eine Wohnung im Findling und sogar einen Eingang. Der ist sehr schmal und sehr, sehr gut versteckt. Man kann ihn nur finden, wenn man genau weiss wo er ist. Man muss schon genau hinschauen. Und etwas Glück braucht es auch dazu, aber das wissen ja alle, die mit versteckten Höhlen zu tun haben.

Und hier können Sie da ganze Geschichte als PDF herunterladen.